Atelierbesuch

Zu Besuch bei Megi Balzer

Einblicke in das Leben und die Arbeit unserer Künstlerin Megi Balzer

Liana Balzer

04.01.2021

Lesedauer: 

6

 min

Für unseren ersten Beitrag der Serie Atelierbesuch haben wir das Atelier Haus der Kunst von Megi Balzer besucht. Schon mit sechs Jahren begleitete die aus Georgien stammende Künstlerin ihre Eltern mit Skizzenblock und Bleistift in die St. Petersburger Eremitage. Auch heute wird ihre Arbeit noch von den unterschiedlichen Ausdrucksformen und Arbeitstechniken der Künstler*innen aus ihrer Heimat geprägt. Megi lädt uns ein auf eine Reise durch die politische Vergangenheit Georgiens und zeigt uns, wie sie aus Kunst, Musik und Natur Inspiration schöpft. Wir wünschen euch viel Freude beim Lesen!

Wie bist du mit Kunst in Berührung gekommen?


Ich bin in meiner Heimat Georgien sehr früh mit allen Arten von Kunst in Berührung gekommen. Meine Mutter ist Konzertpianistin und hat viele Jahre lang in Batumi das Konservatorium geleitet. Mein Vater ist Journalist und Fotograf. Schon mit sechs Jahren begleitete ich meine Eltern mit Skizzenblock und Bleistift in die St. Petersburger Eremitage. Bereits damals war ich fasziniert von den unterschiedlichen Ausdrucksformen und Arbeitstechniken der Künstler*innen.

Ich habe früh die klassische Malerei für mich entdeckt. So entschied ich mich diesen Weg einzuschlagen und besuchte parallel zum Gymnasium in Tbilisi auch die staatliche Kunstschule. Im Anschluss studierte ich Kunst und wurde diplomierte Künstlerin. Während meiner Kunst-Ausbildung hatte ich die Ehre, mit erfahrenen Professor*innen zu arbeiten und von bekannten Künstler*innen Georgiens (wie Dinara Nodia und Lali Zambakhidze) diverse Techniken zu erlernen. Vom Kupferstich bis hin zur Bildhauerei war alles dabei. So mische ich sehr gerne verschiedene Techniken in meiner Kunst und vereine verschiedene Stile und Methoden. Das macht meinen Stil aus!



Inwiefern hat sich deine Kunst über die Jahre verändert?


Diese Frage finde ich interessant. Früher habe ich oftmals sehr klassische Motive gemalt wie z.B. Stillleben. Zudem habe ich oftmals sehr gedeckte Farben gewählt. Vielleicht lag das daran, dass ich nach meiner Flucht aus Georgien einiges durch meine Kunst verarbeitet habe. Das war eine schwierige Zeit für mich und meine Familie. Man verlässt die eigene Heimat nicht gerne. 

Inzwischen wähle ich jedoch gerne leuchtende und farbenfrohe Farben. Ein Grund hierfür ist, dass ich oftmals male und kreativ werde, während mein Mann Saxophon spielt. Das inspiriert mich sehr. Auch scheint die Sonne in Norddeutschland nicht so oft, wie ich es aus Georgien gewöhnt bin. Da muss es wohl wenigstens auf meiner Leinwand sonnig und hell sein!


Was inspiriert dich? Was beeinflusst deine Kunst?


Früher war es sehr stark die politische Situation in Georgien. Dies habe ich schon als Kind in meine Werke eingebaut. Auch dieses Jahr habe ich einige Werke zu der erneut kritischen Lage in Georgien geschaffen. Die Serie habe ich „Porträts im Spannungsfeld Mensch und Macht“ genannt. Hierbei habe ich mit Symbolen, Abstraktion und ausgearbeiteten Porträts versucht, das gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstranten in meiner Heimat zu veranschaulichen. Durch Kunst kann man eben auf politische Missstände aufmerksam machen und Erlebnisse festhalten und verarbeiten. Das finde ich sehr wichtig. 

Generell inspiriert mich meine Familie aus Georgien sehr stark. Ich hatte zum Beispiel eine an Demenz erkrankte Tante, die wir damals gepflegt haben. Auch diese Ereignisse habe ich kreativ aufgearbeitet. So entstand das Buch Luba, welches mit meinen Kupferstichen illustriert ist.  

Darüber hinaus ist meine Kunst sehr stark geprägt von der Musik. So habe ich in den vergangenen Jahren mehrere Band-Auftritte musikalisch (ich spiele Percussion, Doli sowie Schlagzeug) und künstlerisch begleitet. Generell inspiriert mich die Musik meines Mannes sehr stark. Diese Inspiration findet sich auch in verschiedenen Serien wieder, in denen ich das Motiv des Saxophons, der Gitarre oder Hände aufgreife.

Weitere wichtige Faktoren für mich sind mein Garten und die Natur (dabei zeigt die Künstlerin auf das große Fenster in ihrem Atelier). Manchmal, wenn ich hier male, fühlt es sich so an, als wäre ich direkt in der Natur. So vereine ich oftmals Naturmotive, wie Äste und verwelkte Sonnenblumen, mit anderen Elementen.


Herbstzauber

Megi Balzer

In the light

Megi Balzer

Granatapfel

Megi Balzer

Out of sight

Megi Balzer

3500,00 €

Das bunte Leben

Megi Balzer

1400,00 €

Welche Materialien nutzt du am liebsten für deine Werke?


Besonders mag ich Öl, Acryl, Kohle und Bleistift. Aber auch Pigmente, Goldpulver und Blattgold nutze ich sehr gerne. Es kommt natürlich ganz auf das Motiv an. Aber wie ich schon sagte, ich finde es wichtig, viele Materialien, Stile und Techniken zu vereinen. Das macht Kunst meiner Ansicht nach erst interessant und verleiht meinen Werken auch eine gewisse Tiefe.


“Ich finde es wichtig, viele Materialien, Stile und Techniken zu vereinen. Das macht Kunst meiner Ansicht nach erst interessant und verleiht meinen Werken auch eine gewisse Tiefe.”


Was war deiner Meinung nach dein größter Erfolg als Künstlerin? Und wie definierst du Erfolg?


Erfolg kann man natürlich sehr unterschiedlich definieren. Es gibt, meiner Ansicht nach wirtschaftlichen und persönlichen Erfolg in der Kunstwelt. 

Für mich ist es persönlich ein Erfolg, wenn ich merke, dass ich Menschen mit meiner Kunst berühre, durch meine Werke zu Diskussionen anrege oder aber auch jemanden begeistern kann. 


Einer meiner größeren Erfolge, an den ich gerne zurückdenke, war die erfolgreiche Teilnahme an einer Ausstellung mit Wohltätigkeits-Versteigerung des Lions Club in Husum. Zum 60-jährigen Jubiläum des Clubs wurden meine zwei Werke „Creation of a full Circle“ und „Woman‘s Desire“, welche ich bei der Kunstauktion 2018 zur Verfügung stellte, verkauft. Ein großer Teil des Erlöses wurde für den guten Zweck gespendet, was mir auch sehr wichtig ist. 


Wie denkst du, hat Corona das Leben aller Künstler*innen verändert?


Oh, das ist eine gute Frage. Ich denke, dass die Kreativbranche sehr stark unter dem Corona-Virus leidet. Kunstmessen, Kunstkurse, Vernissagen, Workshops und andere Events fallen aus und vermutlich wird dies auch noch eine gewisse Zeit so weitergehen.

Auch ich hatte im vergangenen Jahr vieles geplant, was leider nicht stattfinden konnte. Jedoch merkt man nun, dass es wichtiger denn je ist, einen guten Online-Auftritt zu haben und mit der Zeit zu gehen. Da sind Plattformen wie eure natürlich sehr hilfreich. Auch wenn ich meine eigene Website habe, glaube ich, dass es sehr wichtig ist auf so vielen Kanälen wie möglich vertreten zu sein. Sei es durch die klassische Presse, Instagram oder einen Shop auf einer Plattform wie Picassy.

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Wir danken Megi für das Interview und wünschen ihr alles Gute für die Zukunft. Wir hoffen, dir als Leser*in hat dieses Format gefallen. Sollte dies der Fall sein, teile den Artikel gerne in den sozialen Netzwerken und gebe uns Feedback per E-Mail via info@picassy.de. Du bist Künstler*in und möchtest uns auch dein Atelier zeigen? Dann melde dich gerne ebenfalls bei uns!

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