Atelierbesuch

Zu Besuch bei Katrin Roth

Über die Verbundenheit zur nordischen Natur und die Anwendung der Alla-Prima-Technik

Liana Balzer

27.09.2021

Lesedauer: 

5

 min

Das Arbeiten im Freien sowie das Eintauchen in die nordische Natur verkörpern die Passion von Katrin Roth. In ihrer Kunst reduziert und vereinfacht die Künstlerin ihre Umgebung - dabei malt sie schnell, spontan und direkt in der weiten Landschaft und will mit ihrer Kunst die Betrachter*innen ihrer Werke zum Nachdenken anregen.

Woher kommt die Leidenschaft für die nordische Natur in deiner Kunst? 

Mit Ende 20 fing ich wieder an zu zeichnen und zu malen und tatsächlich war dies eine kleine Landschaft in Aquarell. Diese Lust an der Farbe und das Abtauchen in eine andere Welt während des Malens, hat für mich den Startschuss gegeben mich intensiver mit der Malerei zu beschäftigen. In mir war immer eine große Unruhe und Neugier in Bezug auf die Malerei, so dass ich mich nach zahlreichen Kursen entschied Malerei und Grafik zu studieren, um Techniken zu erlernen und Farben besser zu verstehen. Schon während des Studiums bin ich immer wieder bei der Landschaft gelandet.

Anfangs waren die Landschaften realistischer und schon zu dieser Zeit habe ich entdeckt, wie besonders es ist, draußen zu Malen. Dieses Gefühl im unbegrenzten Raum zu sein, frei und direkt die erlebten Impulse in Bilder fließen zu lassen ist einfach großartig. Während meines letzten Studienjahres hatte ich das große Glück, ein Atelier im hafenkult zu beziehen. Ein Künstlerhaus mitten im Hafengebiet und ganz nah am Duisburger Rhein. Ich bin Hafen-Bewohnerin der ersten Stunde und habe die Entwicklung des Hauses aktiv mitgestaltet. Aus einer alten Hafenimmobilie haben wir in den letzten 11 Jahren einen ganz besonderen Kreativort geschaffen, der ein Zuhause von Kreativen verschiedenster Genres ist.

“Dieses Gefühl im unbegrenzten Raum zu sein, frei und direkt die erlebten Impulse in Bilder fließen zu lassen ist einfach großartig.“

Kannst du uns mehr zum Entstehungsprozess deiner Kunstwerke berichten? Welche Materialien nutzt du am liebsten?

Am liebsten arbeite ich mit Ölfarben auf Papier. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Papieren und fasziniert wie die Oberflächen den Ausdruck der Bilder verändern. Inzwischen habe ich eine kleine Auswahl an Lieblingspapieren, auf denen ich besonders gern arbeite. Sie erlauben mir sowohl mit Acrylfarben aber auch mit Ölfarben eine schnelle spontane Malweise und einen klaren Ausdruck. Klarheit ist ein wichtiger Aspekt für mich im Bild. Ich will nichts verschleiern, nach Möglichkeit mit wenig viel erzählen. Reduzierung und Klarheit sind für mich auch wichtig, weil ich auf meinen Reisen mit einer beschränkten Auswahl an Materialien arbeite.

Drei Dinge, die ich unterwegs immer dabei habe: Eine Mappe mit Papieren, Große Pinsel und eine kleine Auswahl an Farben. Beim Arbeiten im Freien liebe ich die Limitierung im Material und die Wahrnehmung meiner Umgebung. Nichts denken, nichts wollen, nur Farbe bewegen. Ich versuche alles was mich umgibt zu reduzieren und zu vereinfachen.

Wie unterscheidet sich deine Arbeitsweise in der Natur von deinem Schaffensprozess in deinem Atelier?

Meine Arbeiten unterwegs entstehen in der Alla-Prima-Technik. Schnell, spontan und direkt. Der Arbeitsplatz ist oft nur ein kleiner Campingtisch oder die Mappe als Unterlage und ich bin Wind und Wetter ausgesetzt. Das Zeitfenster kann schnell eingeschränkt sein und ich bin gezwungen schnell auf den Punkt zu kommen, nicht zögerlich zu sein. Diese Beschränkung in der Ausrüstung gibt mir aber auch eine große Freiheit. Ich bin nicht an einen geschlossenen Raum gebunden und kann quasi jederzeit und überall mein „Outdoorstudio“ eröffnen. Ich liebe dieses draußen SEIN, draußen MALEN sehr und organisiere mir seit einigen Jahren kleine Sommerresidenzen in besonderen Landschaften, wie zum Beispiel 2019 auf den Färöer-Inseln oder in diesem Sommer in Dänemark in der Region um Knebel. Dort arbeite ich dann mehrere Wochen in einer Region. Die neuen Impulse dieser Aufenthalte fließen auch in meine Arbeit im Atelier ein. Meine Bilder im Atelier hingegen entwickeln sich langsam oft über mehrere Monate. Ich arbeite mit Ölfarben auf größeren Leinwänden. Die Bilder entwickeln sich in vielen Schichten und beleuchten andere Aspekte der Landschaft. Vertraute Elemente aus verschiedenen Regionen und Landschaften werden wie isolierte Formen zu neuen Landschaftsräumen zusammengefügt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich in deinem Atelier aus?

Ein typischer Tag im Atelier beginnt für mich mit einem Kaffee in meinem Nachdenk-Sessel und einem kritischen Blick auf die begonnenen Bilder. Auf manche hat sich mein Blick mit Abstand betrachtet verändert und sie dürfen erstmal bleiben. Manchmal bedarf es aber auch radikaler Eingriffe und Veränderungen der Flächen. Ob draußen oder im Atelier ich arbeite aus dem Malprozess. Das heißt ich habe keine Vorstellung eines fertigen Bildes. Das Arbeitsfeld eines/einer Künstler*in umfasst heute nicht nur die Malerei, sondern auch viele andere Aufgaben, wie Einrahmung, Fotoshooting, Layout und Onlinemarketing. Für uns Künstler*innen ist es ein großes Geschenk, dass wir durch die Digitalisierung unsere Arbeit leichter weltweit sichtbar machen können. So freut es mich sehr, dass viele meiner Bilder inzwischen in vielen Orten auf der Welt ein neues Zuhause gefunden haben.

Green Island

Katrin Roth

1900,00 €

Yellow Sky

Katrin Roth

1800,00 €

Unknown Land

Katrin Roth

800,00 €

Green Island

Katrin Roth

1900,00 €

Yellow Sky

Katrin Roth

1800,00 €

Früher war die Natur in der Kunstwelt u.a. das Idealbild eines Rückzugsortes. Heute dient die Natur in der Kunst nicht selten auch als Mahnmal im Hinblick auf die Klimakrise. Wie wichtig ist dir dieser Punkt?

Die schöne, romantische Landschaft findet man meiner Ansicht nach kaum noch. Egal an welche entlegenen Ort in der Welt man reist, überall finden sich Spuren von Kultivierung oder Hinterlassenschaften von Menschen. Auf der Suche nach unberührter Landschaft, habe ich das an vielen Orten gesehen und erlebt. Das kann ich nicht ignorieren und es besorgt mich. So beeinflussen diese Veränderungen auch meine Beobachtung und die Wahrnehmung der Natur und diese Einflüsse kommen auf die eine oder andere Weise in die Bilder. Ich frage mich in welchen Lebensräumen und unter welchen Bedingungen meine Kinder später leben sollen.

Natur- und Landschaftsmalerei ist inzwischen ein sehr politisches Thema. Es hat auf der einen Seite dokumentarischen Charakter (vielleicht existieren einige Landschaften bald nur noch im Museum als Gemälde oder auf Fotos), kann aber auch zum Nachdenken bewegen. Als Malerin habe ich die Möglichkeit über die Bilder selbst, erstmal wortlos in die Köpfe der Menschen zu kommen und vielleicht gelingt es mir auf diesem Weg zum Nachdenken anzuregen und zu kleinen Veränderungen im alltäglichen Umgang mit der Natur beizutragen.


Was war bisher eines deiner spannendsten Projekte?

Eines meiner spannendsten Projekte ist das aktuelle Projekt „Unknown Places“ an dem ich noch arbeite. Dank eines Projektstipendium des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW konnte ich in diesem Sommer mit dem Projekt beginnen und mich auf die Suche nach unbekannten Orten in meiner Sichtweise auf die Umgebung und malerisch frei auf unbekanntes Gebiet begeben. Ich habe mehrere Wochen draußen in der Landschaft umgeben von kultivierten Feldern an großen Formaten gearbeitet. Zur Projektdokumentation wird zum Jahresende ein Ausstellungsvideo und ein Katalog erscheinen.

Gelebt und gearbeitet habe ich auf einem abgelegen Hof in der Region Molser Berge, nördlich von Aarhus. Basierend auf meinen Serien auf Papier aus dem letzten Jahr, hatte ich Zeit und Raum meine bisherige Arbeit zu reflektieren und aus den Einflüssen der Umgebung neue Bilder zu entwickeln. Ein kleines rotes Häuschen diente als Lager für mein Material und eine alte Tür mit Böcken als Tisch für meine Farben und Utensilien. Holzscheite und eine Mauer waren mein Ersatz für eine Staffelei. Ein freies ungestörtes und intensives Leben ganz in der Tradition früherer Künstlergenerationen, was besonders in Anbetracht der Einschränkungen des vergangenen Jahres etwas sehr Besonderes war und meine Arbeit nachhaltig beeinflussen wird. An dieser Stelle möchte ich mal ein großes Dankeschön an die Politik richten, die uns in der Krise nicht im Regen stehen gelassen hat und mir und vielen meiner Künstlerkolleg*innen durch verschiedene Programme ein Weitermachen ermöglicht.

Wir danken Katrin für das Interview und wünschen ihr alles Gute für die Zukunft. 

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