Atelierbesuch

Im Atelier von Susanne Hendricks

Susanne Hendricks gibt exklusive Einblicke in ihr Atelier am Bodensee

Liana Balzer

03.06.2021

Lesedauer: 

5

 min

Große Sprossenfenster, eine lichtdurchflutete Halle und sehr viel Raum für kreative Gedanken – Susanne Hendricks lebt den Traum vieler Künstler*innen und arbeitet in einem einzigartigen und geschichtsträchtigen Atelier am Bodensee. In diesem Beitrag geben wir spannende Einblicke in dieses ganz besondere Atelier.

Wie ist es dazu gekommen, dass aus der alten Zimmerei dein Atelier geworden ist?

Vor ungefähr 15 Jahren sind mein Mann und ich nach Konstanz gezogen, wo ich mir auch ein geeignetes Atelier mieten wollte. Drei Jahre lang hatte ich als Atelier einen kleinen Raum mit einem Balkon im Bootscenter Konstanz. Dann kam uns jedoch die Idee, gemeinsam in einem Atelier zu arbeiten. Mein Mann kommt ebenfalls aus dem Kreativbereich und fotografiert mit einer Leica M10 sowie der Mittelformat Kamera FujiFilm GFX50S unter anderem in Container-Häfen Symbole der globalisierten Warenflüsse.

So begann die Suche nach einem gemeinsamen Atelier. Da ich ein sehr neugieriger Mensch bin, habe ich in Konstanz fast jeden Hinterhof begutachtet und war auf der Suche nach Räumlichkeiten. Durch Zufall bin ich dann in dem Gewerbegebiet Stromeyersdorf gelandet und stand eines Abends vor der schönen grünen Tür der Zimmerei. Ich konnte nicht widerstehen und öffnete einfach ohne anzuklopfen die Tür. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als mich jemand fragte, was ich suchen würde. So ergriff ich die Gelegenheit und fragte nach, ob ich diesen Raum mieten könne. Ich wusste sofort, dass diese Halle mein Traumatelier ist.

Der Zimmermann, der gleichzeitig auch der Eigentümer ist, kam durch meine Fragen auf neue Gedanken und hat sich nach einigen Wochen dazu entschieden, die Firma zu verkleinern, da es noch eine zweite Halle daneben gab. Dadurch konnten wir diesen wundervollen Raum mieten, was wirklich ein großer Glücksfall ist. Jeder Tag dort ist Balsam für unsere Seelen und für den Schaffensprozess sehr förderlich. Der schöne Raum bringt mich in eine gleichmäßige positive Schwingung und regt mich zum Kreativwerden an.

Kannst du uns mehr über die Historie deines Ateliers berichten?

 

Im Jahr 1885 wurde am Seerhein in Konstanz die Textilfabrik Stromeyer gebaut, welche wasserdichte Stoffe für Eisenbahnen-, Militär- und Zirkuszelte herstellte. Nachdem die Firma in den 80-er Jahren in Konkurs ging, wurden einige Gebäude saniert und als Gewerbefläche genutzt. Die Bleiche, in der die Stoffe gefärbt wurden, steht sogar noch immer am Ufer des Seerheins und dient nun als Restaurant mit Biergarten. In dem 1910 erbauten Wasserturm befinden sich heute Räume für Architektur und Design. Unser Atelier war die ehemalige Schreinerei des Textilwerkes Stromeyer und wurde vor unserem Einzug von einer Zimmerei genutzt.

Wie genau hast du die große Halle räumlich unterteilt?

 

Den ursprünglichen Zustand der denkmalgeschützten Halle haben wir beibehalten, da der Raum eine einmalige Ausstrahlung mit den großen Sprossenfenstern und der alten Holzdecke hat. Wir haben jedoch nur einen winzigen Abstellraum. So ist uns der Gedanke gekommen, dass wir uns Regale auf Rollen bauen lassen, mit denen wir den Raum ganz nach Belieben verändern können. Wir haben nicht unbedingt eine feste Aufteilung der Halle, da uns die Flexibilität und Größe des Raumes sehr viele Freiheiten ermöglicht. Dennoch haben mein Mann und ich uns dazu entscheiden, unser Atelier grob in zwei Hälften zu unterteilen. Mein Mann arbeitet meistens nachmittags in seiner „Hälfte“ und ich vormittags in der anderen „Hälfte“ unserer Halle. So hat jeder in gewisser Weise seinen eigenen kreativen Bereich, indem man sich kreativ ausleben kann und seinen eigenen Rhythmus hat.

Führe uns durch deinen Tag: Wie sieht ein typischer Tag in deinem Atelieraus?

 

Nach Yoga, Duschen und Frühstück komme ich gegen 9:30 Uhr in meinem Atelier an. Zuerst betrachte ich meine letzten Arbeiten am Bild. Nach einer Nacht sehe ich viel schneller, ob ich es so lassen möchte oder nicht. Dann ziehe ich eine Jogginghose, ein langes T-Shirt und meine alten, mit Farbe bespritzen Joggingschuhe an.

In alten ausgewaschenen Joghurtbechern mische ich mir größere Mengen Acrylfarbe in verschiedenen Farbtönen, Deckel halten die Farben ein paar Tage frisch. Auf einem alten runden Terrassentisch liegt eine Folie, auf der ich meine Farben mische. Ich arbeite dann entweder an einem alten Bild weiter, oder fange etwas ganz Neues an. Gerne arbeite ich auch an kleineren Papierarbeiten, die mit Farben von der Palette entstehen. Am Nachmittag arbeite ich dann meistens via Social Media an meinem Internetauftritt.

Was macht das perfekte Atelier deiner Meinung nach aus und was ist deine Lieblingsecke in deinem Atelier?

 

Ich glaube ein Atelier ist immer irgendwie perfekt, egal, wie groß oder klein es ist. Es muss dich einhüllen und zum Schwingen bringen.

Unser Atelier hat einen sehr besonderen Charakter, den man aber auch zulassen muss beim Arbeiten, man darf sich nicht einschüchtern lassen, sondern sollte mit Stärke und Liebe mit dem Raum kommunizieren.

Meine Arbeitsecke in der denkmalgeschützten Halle ist natürlich meine Lieblingsecke. Dort halte ich mich die meiste Zeit auf. Wenn ich Besuch bekomme, sitzen wir immer an unserem großen Arbeitstisch, den ich auch als Pack-Tisch nutze, wenn ich Bilder verschicke. Diese Ecke in meinem Atelier finde ich auch wundervoll, da ich mich gerne mit Besucher*innen über Kunst und Alltägliches austausche.

samstagmorgen

Susanne Hendricks

1200,00 €

life goes on

Susanne Hendricks

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falling over blue

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Was sind die 5 wichtigsten Utensilien in deinem Atelier, auf die du nicht verzichten könntest?

Ich besitze einige sehr gute Pinsel von Lascaux, die eine tolle Farbaufnahme und -abgabe haben. Diese hüte ich, wie einen kostbaren Schatz. Sonst nehme ich auch Pinsel vom Baumarkt. Unbedingt brauche ich auch meine Oilpastells, das sind Kreidestifte in verschiedenen Stärken, damit akzentuiere ich mit Linien. Als drittes wichtiges Werkzeug benutze ich verflüssigte Farben, die ich mir in kleinen Fläschchen mit Spritzdüse gemischt habe, um fließende Linien zu schaffen. Ich liebe auch meinen großen runden Tisch, der mir als Farbmisch-Palette dient. Und natürlich die Stille und Ruhe in unserem besonderen, großen geschichtsträchtigen Raum. Das macht mich dankbar und ist eine Quelle meiner Inspiration.

Kannst du uns deinen Arbeitsprozess genauer beschreiben?

Die Ruhe und Stille gehören für mich zum Malen unbedingt dazu. Mit Musik kann ich nicht arbeiten und kreativ werden. Auch Einsamkeit und Alleinsein ist meiner Meinung nach wichtig, deshalb arbeiten mein Mann und ich auch zu verschiedenen Zeiten.

Wenn ich ein neues Werk anfange, beginne ich mit einem Stift, entweder Bleistift oder Oilpastell, damit bringe ich mich vor der Leinwand in Bewegung und deute so die ersten Striche an. Wenn ich bereit bin, fange ich an, den Stift intuitiv über die weiße Fläche gleiten zu lassen. Die erzeugten Formen sind mein kleiner Ankerpunkt, um die anschließenden Farbaufträge zu setzen. Je mehr ich in das Bild eintauche, desto freier trage ich die Farbe auf, bin völlig konzentriert und bei mir. Das Bild fängt an mit mir zu sprechen, eine Art Austausch findet statt und ich suche nach dem Moment, in dem ich die Synchronizität zwischen meinem Gefühl und dem, was auf der Leinwand offenbart wird, wahrnehme.

Jedes Leben hat eine persönliche Geschichte. In meinem Malprozess notiere und beobachte ich Gedanken, Gefühle und Probleme auf der Leinwand oder dem Papier. Durch die Verwendung einer Vielzahl von Ebenen und Texturen versuche ich eine Geschichte sichtbar zu machen, die das Leben erzählt.

Du öffnest deine Türen auch für Besucher*innen. Kannst du uns mehr hierzu erzählen?

 

In den letzten 10 Jahren hatten wir viele Ausstellungen zusammen mit anderen Künstler*innen. Besonders aus den Bereichen: Schmuck, Bildhauerei und Malerei. Vor 3 Jahren hatten wir die Idee einmal im Jahr eine OpenArt zu veranstalten, da sich mittlerweile in dem Gewerbegebiet Stromeyersdorf mehrere Künstler*innen angesiedelt haben. Seitdem findet einmal im Jahr immer am letzten Samstag im Juni OpenArt statt, bei der alle ansässigen Künstler*innen ihre Ateliers öffnen. Letztes Jahr musste die Veranstaltung leider ausfallen.

Dieses Jahr steht ein Termin noch nicht fest, aber ich bin zuversichtlich.

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Wir danken Susanne für das Interview und wünschen ihr alles Gute für die Zukunft. Wir hoffen, dir als Leser*in hat dieses Format gefallen. Sollte dies der Fall sein, teile den Artikel gerne in den sozialen Netzwerken und gebe uns Feedback per E-Mail via info@picassy.de. Du bist Künstler*in und möchtest uns auch dein Atelier zeigen? Dann melde dich gerne ebenfalls bei uns!

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